Elektrolokomotiven
Zu den bekanntesten deutschen Elektrolokomotiven gehört zweifellos die Baureihe E 94. Mit der Indienststellung der E 94 im Jahr 1940 kam ein wahres Kraftpaket auf die Gleise. Der Sechsachser bewährte sich von Beginn an auf zahlreichen Bergstrecken sowohl vor schweren Güterzügen als auch im Schiebedienst und ermöglichte eine deutliche Erhöhung der Zuglasten. Die E 94 war fast 50 Jahre lang aus dem Eisenbahnbetrieb in West- und Ostdeutschland sowie in Österreich nicht wegzudenken, dank ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit blieb sie jahrzehntelang unverzichtbar.
Das längst vergriffene EK-Buch wird in zwei Bänden neu aufgelegt. Der Text ist gegenüber dem Ursprungswerk von 1990 auf den aktuellsten Stand gebracht und um das Einsatzende der 1020 bei den ÖBB, die vielfältigen Aktivitäten mit Museumslokomotiven und die Einsätze bei privaten Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) erweitert. Bisher noch nicht publizierte Fakten zur Geschichte der E 94 sind ebenfalls eingearbeitet - etwa, was ihren Aufenthalt in der Sowjetunion betrifft. Außerdem wird das Buch weitestgehend neu bebildert. Damit bietet das Werk auch für die Besitzer der Erstauflage einen Mehrwert. Der Baureihe E 94 mit ihren Ausprägungen 194 DB, 254 DR und 1020 ÖBB wird ein angemessenes literarisches Denkmal gesetzt.
Die Deutsche Reichsbahn hatte der in Entwicklung begriffenen Baureihe E 94 in den dreißiger Jahren die Aufgabe zugedacht, auf Rampenstrecken im elektrifizierten Netz Deutschlands für eine reibungslose Abwicklung des gestiegenen Güterverkehrs zu sorgen. Ab 1940 kamen auch die alpinen Bergstrecken im angeschlossenen Österreich dazu. Diese Aufgabe erfüllte die E 94 sofort. Mehrere Jahrzehnte blieb die E 94 das Rückgrat der Zugförderung im Güterverkehr auf elektrifizierten Strecken in Süddeutschland, Mitteldeutschland und Österreich.
Wegen der langen Vorbauten und der dunkelgrünen Farbgebung wird die E 94 von deutschen Eisenbahnfreunden gerne als „Deutsches Krokodil“ bezeichnet. Bereits im ersten Buch von 1990 wiesen die Autoren im Vorwort darauf hin, dass ¬unter Schweizer und österreichischen Fachleuten unstrittig ist, dass der Begriff „Krokodil“ ausschließlich den Schweizer Gotthard¬loko¬motiven Be 6/8 und Ce 6/8 sowie der österreichischen Reihe 1100 (spätere Reihen 1089 und 1189) mit ihren langen und schlanken Vorbauten vorbehalten sein muss. An dieser Einschätzung halten die Autoren auch im Jahr 2026 fest. Der Untertitel der Neuauflage – Schwere Güterzuglokomotiven in Deutschland und Österreich – war seitens der Autoren bereits 1990 vorgesehen.
In der ehemaligen DDR gaben Leipziger Lokführer – hier sei stellvertretend Dieter Wünschmann genannt – der E 94 hingegen den Kosenamen „Eisenschwein“. Beim Bw Zwickau hießen die E 94 schlicht „Oma“. In Österreich war die E 94 seit der Umzeichnung stets die „Zehnzwanzig“.
36 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Auflage liegt nun eine ergänzte und überarbeitete Auflage vor. Aufgrund der Materialfülle bot es sich an, zwei Bände herauszugeben.
Der vorliegende Band 1 behandelt vorwiegend die Entstehung, Technik, Beschaffung, Bestandsentwicklung sowie den Betriebsmaschinendienst und Einsatz in Süddeutschland von 1940 bis 1988. Band 2 wird vor allem den Einsatz der E 94 in Mitteldeutschland, Schlesien und Österreich, den Leiheinsatz von DB-E 94 in der Schweiz sowie den Einsatz von E 94 bei privaten Eisenbahn Verkehrsunternehmen und die Museumslokomotiven vorstellen. Außerdem kommt eine Abhandlung zu jenen E 94, die sich von 1946 bis 1952 in der Sowjetunion befanden.
Die Texte der beiden neuen Bände basieren – wie schon beim ersten Buch von 1990 – weitestgehend auf Primärquellen wie zum Beispiel Betriebsbücher (DB, DR, ÖBB), statistische Nachweise St 10a, Werkkarten, Umlaufpläne, sowie Schriftwechsel der Direktionen und Zentralämter. Nach der deutschen Wiedervereinigung öffneten sich die Archive in der ehemaligen DDR, was einiges an bislang unbekannten Sachverhalten zum Vorschein brachte. Dies ermöglichte in beiden neuen Bänden deutlich erweiterte und dem aktuellen Wissensstand angepasste Texte.
Die beiden Folgebände der E 94 sind gegenüber der Erstausgabe von 1990 überwiegend neu bebildert. Konnten damals von Eisenbahnfreunden eingesandte 2.500 Fotos und Abbildungen gesichtet werden, standen für die beiden Folgebände jetzt rund 10.000 Fotos, Dias, Scans, Zeichnungen und andere Abbildungen zur Verfügung. Damit konnte der Versuch unternommen werden, eine möglichst ausgewogene Bebilderung nach Jahrzehnten, Betriebssituationen und Einsatzstrecken zu erreichen. Auch wenn nur ein Bruchteil der eingesandten Bildvorschläge veröffentlicht werden kann, war jedes Bild für die Auswertung etwa technischer Details wichtig. Allen Einsendern sei herzlich gedankt.
Nun, liebe Leser: Viel Freude mit der in technischen wie auch betriebsgeschicht¬lichen Belangen sehr facettenreichen Baureihe E 94.
Starnberg und Korb/München im Juli 2026
Brian Rampp und Frank Lüdecke
Die Entwicklung der E 94
Entstehungsgeschichte
Der Weg zur Kriegslokomotive
Die E 94 als Exponent des technischen Fortschritts
Weiterentwicklungen
Das Projekt E 100
Lieferdaten, Erstzuteilung und Verbleib
Technische Beschreibung
Die Ursprungsausführung (E 94 001–161
Allgemeines und Aufbau
Elektrische Ausrüstung
Die Nachbaulokomotiven
Deutsche Bundesbahn
Technische Abweichungen der 1020.45–47 der ÖBB
Die Fahrmotoren
Bauartänderungen und Versuchsausführungen
Deutsche Reichsbahn (bis 1945; DRB)
Deutsche Bundesbahn
Deutsche Reichsbahn
Österreichische Bundesbahnen
Farbgebung und Beschriftung
Versuchs- und Erprobungsfahrten
Beschaffung und Entwicklung des Bestandes
Einsatzgeschichte Süddeutschland
Betriebsmaschinendienst 1940 bis 1988
Neubeginn nach Kriegsende
Das Bundesbahnzeitalter
Einsatz bei den Bahnbetriebswerken in Süddeutschland
RBD/ED/BD Augsburg
Bw Augsburg
Bw Neu-Ulm
BD Karlsruhe
Bw Heidelberg
Bw Mannheim
RBD/ED/BD München
Bw Freilassing
Bw Ingolstadt
Bw München Hbf
Bw München Ost
Bw Rosenheim
Bw Treuchtlingen
RBD/ED/BD Nürnberg
Bw Aschaffenburg
Bw Bamberg
Bw Nürnberg Rbf
Bw Pressig-Rothenkirchen
Bw Würzburg
RBD/ED/BD Regensburg
Bw Regensburg
RBD/ED/BD Stuttgart
Bw Kornwestheim
Bw Ulm
Die E 94 im Ausbesserungswerk
DB-E 94 als stationäre Energie- und Druckluftspender
Unfälle mit der E 94 in Süddeutschland
Außerdienststellung
Verkäufe, Verkaufsversuche, Verschrottung
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